Stimmen
[zu „Mensch Bruckner“]
Friedrich Buchmayr hat sich vertieft in die Lebens- und Liebesgeschichte und lässt August Göllerich, den von Bruckner autorisierten Biographen, eine ansehnliche Menschenschar zum Kolloquium einladen: Man darf sich das als einen halben Konzertsaal voller Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vorstellen, die alle irgend etwas mitbekommen zu haben glauben. Auf gut dreihundert Seiten versprühen sie Oral History in einer Üppigkeit, gegen die das schwere Blech eines jeden Orchesters einpacken kann. […]
Was der Autor, im Hauptberuf Bibliothekar in der Stiftsbibliothek St. Florian, in diesem fingierten liebesgeschichtlichen Kolloquium durch literarische Kombination bewusst macht: wie sehr historische Quellen und dokumentierte Aussagen immer auch der Wertung und der Kritik bedürfen – und vor allem einer sinnvollen Nebeneinander- und Gegenüberstellung. Friedrich Buchmayr betreibt gerade mit geistreicher Verbindung, mit konstruierter Rede und Gegenrede ein anregendes biographisches Vexierspiel zwischen Fiktion und Glaubwürdigkeit.
Reinhard Kriechbaum auf www.drehpunktkultur.at
Buchmayrs Kunstgriff – er lässt 75 Personen auftreten – erweist sich als glücklich. Die Facetten der durchaus nicht problemlosen Biografie Anton Bruckners werden sichtbar, wir erfahren Einiges über die kulturelle Grundierung Österreichs. Das ist nicht immer schön, aber spannend zu lesen. Und trägt schlussendlich auch zu einem tieferen Verständnis Brucknerscher Musik bei.
Wolfgang Brauer, Das Blättchen (Berlin) 23 (2020), Nr. 1
Der sozial-, musik- und geschichtswissenschaftlich überaus versierte Autor lässt verschiedene Stimmen, nein: Menschen zu Wort kommen. So spinnt er rund um den ständig an sich und der Welt, ja fast schon am lieben Gott zweifelnden Komponisten ein dichtes Netz von Emotionen, Konventionen, Hoffnungen und Enttäuschungen. […]
Buchmayr vermeidet nicht nur alles Voyeuristische, es ist ihm fremd. Es wird debattiert, interpretiert, analysiert. In der Mitte sitzt, mild lächelnd, verlegen, genial, souverän und hilflos Anton Bruckner. Man muss ihn mögen, nach der Lektüre dieses Buches noch mehr.
Peter Natter, Vorarlberger Nachrichten 2./3. 11. 2019
Rede und Gegenrede korrigieren sich beständig und eröffnen in ihrer Dynamik die Erkenntnis eines prinzipiell unabschließbaren Prozesses. Damit gelingt Buchmayr im „halbwissenschaftlichen“ Genre seines höchst korrekt text- und faktenbasierten und zugleich die Zeitzeugen fantasievoll zum Sprechen bringenden Buchs eine fundamentale Anekdotenkritik, ohne daß er dafür explizite theoretische Reflexionen anstellen müßte. In permanenter wechselseitiger Dementierung handeln Buchmayrs virtuos agierende Marionetten z.B. das Thema Ida Buhz ab, jenes Berliner Zimmermädchens im Hotel Kaiserhof. […] Besser kann man die Bodenlosigkeit des Zeitzeugen- und Anekdotenwesens nicht auf den Punkt bringen – zumal wenn man, wie Buchmayr das konsequent tut, die Interessengeleitetheit der Gesprächspartner immer mitbedenkt.
Unter der Hand aber stößt der Autor zu Strukturelementen von Bruckners Handeln vor: Er liefert, ohne eine eigene explizite Thesenbildung, durch die bloße Form der Präsentation das Material zu deren Erkenntnis. […] Und es ist seine so klug gewählte Form, die es ermöglicht, dieses schwierigste aller Bruckner-Themen nachdenklich-kritisch zu behandeln und dabei zugleich entlastend kurzweilig zu bleiben.
Klaus Heinrich Kohrs, Studien & Berichte. Mitteilungsblatt Nr. 94 (Juni 2020) der Internationalen Bruckner-Gesellschaft
Friedrich Buchmayr ist ein außergewöhnliches Buch gelungen. Es hält wissenschaftlichen Kriterien stand und ist „leutselig“ geschrieben. So wird jede Begegnung zwischen Bruckner und Zeitzeugen ein amüsantes, aber auch stets respektvolles Lesevergnügen.
Helmut Atteneder, Oberösterreichische Nachrichten, 4. 11. 2019
In seinem Buch mit dem Titel „Mensch Bruckner!“ lässt der Autor Friedrich Buchmayr Personen aus dem Umfeld Bruckners in einem fiktiven Forum zu Wort kommen. Durch die verschiedensten Geschichten entsteht so ein Ganzes, das auf zum Teil sehr humorvolle Weise den Menschen Bruckner hinter dem Komponisten Bruckner ein wenig hervorblicken lässt.
Eva Theimel, ORF Ö1 Anklang, 21. 10. 2019
Was für ein wunderbares Buch – so einfühlsam wie hintergründig und manchmal angebracht boshaft, aber stets mit viel Liebe. Das Konzept ist wunderbar und wunderbar aufgegangen.
Johannes Leopold Mayer, ORF Ö1, per Mail am 21. 10. 2019
Es war eine sehr erfreuliche und anregende Lektüre. Seit Jahren lese ich ja fast nur „trockene“ Fachliteratur, und so kam Ihr Buch zu der Ehre, als eines der seltenen eher belletristischen Werke von mir mit Freunde gelesen zu werden. […] Ich bin begeistert über die meisterhafte Gratwanderung zwischen dokumentierten Fakten, naheliegenden Schlussfolgerungen und der harmonisch dazu passenden dichterischen Freiheit.
Franz Scheder, Bruckner-Forscher, per Mail am 21. 1. 2020